Menu

Branchenevent in Heidelberg – Interview mit Richard Sikes über Europas ersten Translation Technology Round Table

Nach zwei erfolgreichen Translation Technology Round Table des Localization Institutes in den USA findet die dritte Ausgabe des Branchenevents nun erstmals in Europa statt. Am 19. und 20. September 2019 treffen Technologieanbieter, Käufer, Lieferanten sowie Branchenexperten in der deutschen Universitätsstadt Heidelberg zusammen, um über die aktuellen Entwicklungen von Übersetzungstechnologien zu sprechen. Die Tagesordnung umfasst sechs Sitzungen plus eine optionale Sitzung, die sich über zwei Tage erstreckt. Die Sitzungen sind lose strukturiert und beginnen mit einer kurzen Präsentation, gefolgt von einer ausführlichen Diskussionsrunde mit allen Teilnehmern.

Wir sprachen mit Richard Sikes, Organisator der Veranstaltung und Branchenkenner, über die Konzeption und den Fokus der Veranstaltung.

Der Translation Technology Round Table findet zum ersten Mal in Europa statt. Wieso haben Sie sich dazu entschieden, dass Event nach zwei Runden in den USA hier zu veranstalten und warum fiel die Wahl schließlich auf Heidelberg?

Die beiden Round-Table-Veranstaltungen, die wir in Nordamerika durchgeführt haben, waren voll ausgelastet. Bei diesen Veranstaltungen hatten wir Teilnehmer, die aus Europa, Südamerika und sogar Singapur angereist sind. Daher dachten wir, es würde sich lohnen, ein ähnliches Zusammentreffen in Europa zu organisieren. Für Heidelberg haben uns aus mehreren Gründen entschieden. Es liegt zentral in Europa und ist vom Frankfurter Flughafen leicht mit dem Zug zu erreichen. Außerdem haben wir den Qube als Veranstaltungsort bereits für andere, ähnlich große Veranstaltungen genutzt und positive Erfahrungen gemacht. Und schließlich ist Heidelberg einfach ein sehr schöner Ort, den man für ein paar Tage besuchen kann. Übrigens werden zwei Teilnehmer der nordamerikanischen Round Tables aus den USA nach Heidelberg reisen, obwohl wir im Januar einen weiteren Round Table in den USA haben werden.

Bei näherer Betrachtung der aktuellen Themen in der Übersetzungsindustrie, welche Unterschiede fallen Ihnen auf, wenn Sie die USA mit Europa vergleichen?

Der einzige große Unterschied, der mir auffällt, ist die Bedeutung des Themas der technologischen Standards. Dieses Thema wurde für die nordamerikanischen Round Tables vorgeschlagen, doch der dafür zuständige Beirat bevorzugte andere Themen. Viele Mitglieder des Heidelberger Beirats hingegen bewerten die Bedeutung von technologischen Standards viel höher (sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht) und haben sich daher für die Aufnahme dieser Thematik eingesetzt. Ansonsten ist die Themenabdeckung ziemlich gleich.

In Heidelberg gibt es außerdem ein weiteres Novum. Am Ende des zweiten Tages wird es eine optionale Sitzung geben. In dieser Sitzung geht es darum, wie Technologie vermarktet wird. Das ist ein Thema, das mich und ein weiteres Mitglied des Beirats, Sabina Jasinska, sehr interessiert. Da sich das Angebot vieler Übersetzungstechnologien ähnelt, sind wir gespannt, worauf Technologieanbieter hinsichtlich der Differenzierung ihrer Produkte Wert legen. Wir sind zuversichtlich, dass die am Round Table teilnehmenden Übersetzungseinkäufer sich diese Sitzung nicht entgehen lassen. Dann werden wir erfahren, worauf es ihnen ankommt, wenn es darum geht, Übersetzungstechnologien zu erwerben

Wie wird sich das Event bezüglich der Größe von dem letzten Round Table in Boulder, Colorado, Anfang des Jahres, unterscheiden?

Der Heidelberger Round Table wird etwas kleiner sein. In Boulder hatten wir etwa 35 Teilnehmer plus Warteliste. Die Räumlichkeiten im Qube sind mit rund 25 Teilnehmern gut gefüllt. Das ist nicht problematisch, denn das europäische Event ist ein Experiment. Darüber hinaus haben wir gemerkt, dass der Round Table bei mehr als 30 Teilnehmern etwas von seiner informellen Atmosphäre verliert, die diesen zu einem besonderen Erlebnis macht. So zahlt sich eine höhere Besucherzahl letztlich weniger aus. Das haben wir aus dem Boulder-Event gelernt.

Im Mittelpunkt des Round Table steht immer der Informationsaustausch. Die Moderatoren werden sich bemühen, Dialog, Ideenaustausch, Argumente und Gegenargumente zu fördern.

Gestatten Sie uns einen Blick hinter die Kulissen: Wie läuft die Organisation eines solchen Events ab, von der Idee bis zur Ausführung?

Das Erste, was ich im Vorfeld einer solchen Veranstaltung mache, ist die Aufstellung eines Beirats. Dieser Beirat besteht aus erfahrenen Branchenexperten, die sich in Ihrer täglichen Arbeit intensiv mit Übersetzungstechnologien befassen. Um ein möglichst breites Themenspektrum zu erhalten, bemühe ich mich um eine gleichmäßige Zusammensetzung des Beirats. Ob Technologieanbieter, Käufer oder Lieferant, alle Branchenbeteiligten sollen vertreten sein.

Die Bildung eines sachkundigen Beirats ist ein wichtiger erster Schritt, da es ja der Beirat ist, der die Themen vorschlägt. Daher war ich sehr froh, mit Sufian Reiter, einen sehr erfahrenen Plunet-Mitarbeiter für den Beirat der Heidelberg-Veranstaltung gewonnen zu haben. Sylvester Weise, ein weiterer fachkundiger Plunet-Mitarbeiter, saß für die ersten beiden Ausgaben der Round Tables in den USA im Beirat und wird auch für den Round Table im Januar 2020 in Kalifornien wieder mit dabei sein.

Stehen die Beiratsmitglieder fest, wird im Rahmen von zwei oder drei Brainstorming-Sitzungen online eine Liste von möglichen Themen zusammengetragen. Diese Sitzungen sind immer sehr dynamisch, was wunderbar ist, denn sie bestimmen den allgemeinen Ton der Kommunikation und des Austauschs, der sich dann auch auf das Event überträgt. Für Heidelberg haben wir etwa 40 Vorschläge gesammelt.

Die Themenvorschläge werden online in einer Tabelle aufgelistet. Wir haben eine Abstimmungsmethode, bei der jedes Beiratsmitglied seine Entscheidung anhand der Verteilung von Punkten priorisieren kann. Zählt man die Punkte dann zusammen, erkennt man klare Trends. Vorschläge, die sich ähneln, werden fließen zusammen. Auf diese Weise entwickeln sich aus den anfänglich 40 Vorschlägen fünf Themenbereiche, die dann für das Event ausgewählt werden. Basierend auf dieser Auswahl, lege ich dann das finale Programm fest.

Das Thema der sechsten Sitzung lassen wir bewusst offen, die Teilnehmer können es im Laufe des Events selbst wählen. Diese offene Sitzung bietet sich beispielsweise für Themen an, für die die dafür eingeplante Zeit nicht ausgereicht hat. Und manchmal entstehen während der geplanten Sitzungen spontan weitere Diskussionsideen und die Gruppe beschließt dann, die offene Sitzung für diese neuen Themen zu nutzen.

Nach der Festlegung der Themen fangen wir an, das Event zu bewerben. Das machen wir über das Localization Institute und mithilfe von  Branchenpartnern wie Plunet. Kurz vor der jeweiligen Veranstaltung halten wir eine letzte Beiratssitzung ab, um sicherzustellen, dass jede/r mit seinem Thema, das er/sie bei einer Sitzung vorstellen wird, vertraut ist.

Und dann heißt es nur noch: „Alles auf Go!“

Welchen Ausgang wünschen Sie sich für dieses Event?

Mein größter Wunsch für diese Veranstaltung ist, dass jeder einzelne Teilnehmer – auch die langjährigen Branchenkenner – am Ende das Gefühl hat, etwas Neues gelernt und seine Zeit gut genutzt zu haben.

Es gibt noch wenige Plätze. Sie können sich online über die Webseite des Localization Institutes für die Veranstaltung anmelden.

Richard Sikes, Gründer von LocFlowTech, beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den Themen Lokalisierung und technische Übersetzungen. und hat für einige branchenführende Software-Unternehmen Lokalisierungsteams geleitet. Er schreibt regelmäßig für das MultiLingual-Magazin und tritt als Referent bei Veranstaltungen der Übersetzungsbranche auf. Richard ist eng mit Content Rules verbunden, für die er internationale Inhalte auf Qualität prüft. Für memoQ erbringt er Dienstleistungen im Bereich der Lösungsarchitektur.

 

Ihre Kontaktdaten

!
!
!
!
!
!
!
!